Finance

US-Regierung eignet sich fast 70.000 Bitcoin an

Das Geheimnis um eine der größten Bitcoin-Wallets lüftet sich – und die US-Regierung wird mal wieder zu einem der größten Bitcoin-Holder. Damit ist sie hervorragend vorbereitet, falls es zu einer neuen Rally kommt.

Manchmal tauchen Wale aus der Tiefe des Ozeans auf, schlagen mit den Flossen und stoßen eine Wasserfontäne aus. Dann tauchen sie wieder ab, und wer sie gesehen hat, schaut ihnen neugierig-verzückt hinterher.

Am 3. November geschah dies auf der Blockchain. Einer der mysteriösesten Wale bewegte gut 69.000 Bitcoin, fast eine Milliarde Dollar. Und zwar handelte es sich um die Adresse 1HQ3Go3ggs8pFnXuHVHRytPCq5fGG8Hbhx.

Die Transaktion der 69.000 Coins nach Blockchain.info.

Coinmarketcap schreibt kurz danach über diese Adresse: „Alles an dieser Wallet ist mysteriös. Niemand weiß, wem sie gehört, wer die Coins bewegt hat und weshalb. Aber die Wallet war genauso beliebt wie mysteriös. Sie war die viert-reichste Bitcoin-Wallet aller Zeiten.“

Angeblich wurde die Wallet-Datei unter Hackern gehandelt, die versucht haben, den Passwortschutz zu brechen. Daher gäbe es, so Coinmarketcap, zwei Szenarien: Erstens, der Besitzer der Wallet habe die Coins überwiesen, um sie vor den Zugriffen der Hacker zu schützen. Zweitens, einer der Hacker hat Erfolg gehabt, vielleicht mit einem geheimen Super-Quanten-Computer, und sich die Milliarde geschnappt.

Das ist natürlich faszinierend – aber vollkommen falsch.

Der Blockchain-Analyst Chainalysis löste gestern das Rätsel: „Heute hat das US-Verteidigungsministerium einen zivilen Bescheid für die größte Beschlagnahmung digitaler Assets aller Zeiten eingereicht: Etwa 69.370,22491543 Bitcoin (BTC), 69.370,10730857 Bitcoin Gold (BTG), 69.370,10710518 Bitcoin SV (BSV) und 69.370,12818037 Bitcoin Cash (BCH), zusammen mehr als eine Milliarde Dollar wert.“

 

Dabei haben die Strafverfolger Instrumente von Chainalysis genutzt, um den Inhaber der Wallet zu identifizieren und die Illegalität der Coins nachzuweisen.

Und zwar handelt s sich um Bitcoins, die in Verbindung mit der Silk Road stehen, dem ersten modernen Darknet-Marktplatz. Die US-Regierung hat den Admin „Dread Pirate Roberts“ im Herbst 2013 durch einen spektakulären Zugriff in der Science-Fiction-Abteilung einer Bibliothek in San Francisco verhaftet. Der Mann mit bürgerlichem Namen Ross Ulbricht wurde angeklagt und zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Seine Wallets mit mehreren hunderttausend Bitcoins hat die US-Regierung beschlagnahmt und gut ein halbes Jahr später verkauft. An dem dazwischen stattgefundenen Kursanstieg verdiente sie Dutzende, wenn nicht hunderte von Millionen Dollar.

Mit der Beschlagnahmung des neuen Wallets wiederholt sich die Geschichte – nur noch mal eine Nummer größer. Die US-Regierung wird noch mehr am Preisanstieg von Bitcoin verdienen. Durch die langsamen Mühlen der Strafverfolgung und Justiz wurde sie unfreiwillig zum Holder, um Bitcoins, die sie rechtlich schon seit Mitte 2013 beansprucht, bis vermutlich 2021 zu halten, um sie dann mit enormem Gewinn zu verkaufen.

Es handelt sich dabei nicht um Bitcoins von Ross Ulbricht oder der Silk Road direkt. Stattdessen ist ein Hacker in die Server der Silk Road eingebrochen und hat dort die Bitcoins gestohlen. Danach hat er die Coins auf eine für die damalige Zeit vollkommen ausreichende Weise gewaschen, bevor er sie auf der erwähnten Adresse ablegte. Daher war es bislang absolut unbekannt, dass die Adresse mit der Silk Road in Verbindung steht. Stattdessen ging man von einer vagen Verbindung zur ehemaligen Börse Mt. Gox aus.

Allerdings bleiben die Spuren auf der Blockchain für immer bestehen, während die Instrumente, um sie auszuwerten, immer besser werden. Ein Beamter der Steuerfahndung hat Anfang des Jahres die Software von Chainalysis benutzt, um sich Transaktionen um die Silk Road noch einmal genauer anzuschauen. Dabei entdeckte er 54 bislang unerkannte Transaktionen illegaler Gelder. Dies Spur führte ihn zu „Individuum X“, dem Hacker, der der US-Regierung namentlich bekannt ist, aber dessen echter Name nicht in der Anklageschrift auftritt.

Dieses Individuum X hat nun, wohl auf seichten bis schweren Druck der Justiz, eine Zustimmung zur Beschlagnahmung der Coins durch die Staatsanwaltschaft von Nordkalifornien unterschrieben. Anschließend hat er die Wallet der Regierung übergeben, die die Bitcoins mit der erwähnten Transaktion beschlagnahmt hat.

Für die US-Regierung dürfte es ein enormer Glücksfall sein, dass der Hacker der Silk Road gerade aus Kalifornien kommt. Er bleibt vermutlich deswegen unbekannt, weil die Regierung ihm die Anklage wegen Hacking und dem bewussten Besitz von Gelder mit einer illegalen Quelle dafür erspart, dass er ihr den Zugang zu einer ordentlichen Menge Bitcoins veschafft hat.

Die Regierung wird mit den Coins vermutlich dasselbe machen, was sie mit allen beschlagnahmten Gütern macht: Sie übergibt sie an die US-Marshalls, die sie dann versteigern. Damit sind die Coins fürs erste aus dem Verkehr gezogen, da die Prozedur vermutlich ein gutes halbes Jahr dauert.

Sollte es im Lauf des nächsten halben Jahres zu der Rally kommen, von der viele erwarten, dass sie Bitcoin auf höhere fünfstellige, wenn nicht gar sechsstellige Höhen schießt – dann wäre die US-Regierung zumindest schon mal hervorragend aufgestellt.

   

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